Schnupfen beim Baby: Ursachen, Symptome und Linderung

12. Juli 2019
11 Min.

Staub, trockene Luft, Allergene, Viren – es gibt eine Vielzahl an Auslösern für eine Schnupfennase beim Baby. Häufig ist es jedoch eine Erkältung, die für triefende Nasen und andere Symptome sorgt. Hat es das Kind erwischt, fragen sich viele Eltern, was sie nun dagegen tun können. Lesen Sie alles Wichtige zu Ursachen, Symptomen, Hausmitteln sowie vorbeugenden Tipps.


Übersicht:

Ursachen: Was steckt hinter dem Schnupfen?

Baby hat Schnupfen und hält sich ein Taschentuch an die triefende Nase.

Auslöser eines Schnupfens ist in der Regel eine Erkältung (grippaler Infekt), die von Viren verursacht wird. Diese gelangen beispielsweise über die Luft, wenn eine erkrankte Person hustest oder niest, in die Atemwege des Kindes, oder auch durch die Berührung kontaminierter Gegenstände (Schmierinfektion), zum Beispiel ein benutztes Taschentuch. Normalerweise bilden die feuchten Schleimhäute in Nase und Co. eine erste Abwehr gegenüber den eindringenden Erregern. Allerdings kann diese durch verschiedene Faktoren gestört sein, zum Beispiel aufgrund

  • trockener Raumluft (Heizung im Winter, Klimaanlage im Sommer),
  • Zigarettenrauch,
  • schlechter Luftqualität, beispielsweise durch Schadstoffe, oder
  • zu geringe Flüssigkeitsaufnahme.

In der Folge trocknen die Schleimhäute der Nase aus. Das führt einerseits dazu, dass die Nase die eingeatmete Luft nicht mehr anfeuchten kann und sich Krusten oder Schorf bilden. Andererseits entstehen durch eine trockene Nasenschleimhaut feine Risse, die es Krankheitserregern erleichtern, einzudringen und sich zu vermehren.

Sobald es die Viren geschafft haben, die natürliche Barriere zu überwinden, machen sie es sich gemütlich und lösen die typischen Symptome einer Erkältung aus. Dazu zählen neben Schnupfen auch Beschwerden wie Halsschmerzen, Husten, Müdigkeit sowie Abgeschlagenheit.

Wann zum Arzt?

Sofern der Schnupfen bei Ihrem Baby nicht nachlässt, sich verschlimmert oder weitere Beschwerden wie Ohrenschmerzen oder Fieber hinzukommen, suchen Sie bitte einen Kinderarzt auf.

Gleiches gilt, wenn Sie neben einer laufenden Nase noch Symptome wie Juckreiz oder Hautausschlag feststellen. Dies deutet möglicherweise auf eine Allergie hin, beispielsweise gegen Hausstaubmilben oder Pollen. Der Arzt kann herausfinden, auf welches Allergen Ihr Baby reagiert und entsprechende Tipps geben.

Wenn die Nase trieft oder verstopft ist, muss jedoch nicht immer eine Erkältung der Auslöser sein. Es gibt noch weitere mögliche Ursachen:

  • Altersbedingt besitzen Säuglinge eine kleine, flache Nase, was den Nasengang verkleinert. Bereits eine geringfügige Menge Schleim kann die Nase verstopfen und so die Atmung behindern.
  • In seltenen Fällen ist der Auslöser ein zu enger oder gar verschlossener Nasengang. Meist wird dieser bereits bei der Geburt festgestellt. Bildet sich dies nicht von selbst zurück, ist ein operativer Eingriff möglich.
  • Beim sogenannten Koppern (Luftaufstoßen) kann etwas (Mutter-)Milch in die Nasengänge gelangen. Der Nasenausfluss zeigt sich dann weißlich.
Wie lange dauert Babys Schnupfen?

Das ist in erster Linie abhängig von der Ursache. Ist der Schnupfen erkältungsbedingt, dauert es in der Regel 7 bis 10 Tage, bis der Infekt abgeklungen ist.1 Dann sollte auch der Schnupfen vorübergehen. Bei einer Allergie dagegen, ist die Dauer ganz abhängig von dem auslösenden Allergen und inwiefern es möglich ist, diesem aus dem Weg zu gehen.

Stockend oder fließend? Symptome eines Schnupfens

Schnupfen ist nicht gleich Schnupfen. Generell werden zwei Arten unterschieden:

  • Fließschnupfen: Charakteristisch für diese Form ist das ständige Laufen eines wässrigen Sekrets aus der Nase. Der Fließschnupfen tritt meist akut auf. Oft fühlen sich betroffene Babys krank, weshalb sie häufig weinen und quengeln.
  • Stockschnupfen: Im Gegensatz zum Fließschnupfen tritt beim Stockschnupfen kein Sekret aus. Durch die verstopfte Nase bekommt das Kind schwerer Luft, es „schnorchelt“.

Gut zu wissen: Die Nasenatmung

Im ersten halben Lebensjahr eines Säuglings erfolgt die Atmung primär über die Nase.2 Aufgrund des höhergelegenen Kehlkopfes im Rachen, können Babys gleichzeitig atmen und schlucken – auch im Liegen und ohne sich zu verschlucken. Ein Baby schläft daher im Normalfall mit geschlossenem Mund. Leidet das Baby nun unter einer verstopften Nase ist es nur natürlich, dass sich einige Eltern fragen, ob die Gefahr von Erstickung besteht. Da die Mundatmung allerdings nicht ausgeschlossen ist, besteht nur ein sehr geringes Risiko hierfür. Um die verstopfte Nase zu befreien, können Eltern beispielsweise auf Nasenspülungen mit Kochsalzlösung zurückgreifen.

Probleme des Säuglingsschnupfens

Gesunde Säuglinge besitzen die Fähigkeit, gleichzeitig zu atmen und zu trinken. Sie trinken meist in recht kurzer Zeit sehr viel. Ist die Nasenatmung allerdings eingeschränkt, lässt häufig die Trinkleistung nach. Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann Verstopfungen oder auch Teilnahmslosigkeit zur Folge haben.

Breiten sich die Erreger bei einem infektiösen Schnupfen weiter im Körper aus, kann es zu einer Mittelohrentzündung oder Bronchitis kommen. Wird die akute Bronchitis nicht behandelt, ist es möglich, dass sich eine Lungenentzündung (Pneumonie) entwickelt. Eine solche Erkrankung belastet den Organismus des Kleinen stark und führt im schlimmsten Fall zu Atemnot. In der Regel ist ein infektiöser Schnupfen aber an sich ungefährlich, wenn auch unangenehm.

Hausmittel und Tipps: Das können Sie tun

Bei der Behandlung von Schnupfen stehen Ihnen verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung. Folgende Hausmittel und Maßnahmen können Sie ausprobieren:

  • Richtige Schlafposition: Damit Ihr Baby nachts besser schlafen kann, empfiehlt es sich, ein Keilkissen oder zusammengerolltes Handtuch am Kopfende unter die Matratze zu legen. Durch den erhöhten Oberkörper kann das Sekret leichter abfließen.
  • Raumluft anfeuchten: Um zu verhindern, dass die Nasenschleimhäute weiter austrocknen, ist eine feuchte Umgebungsluft hilfreich. Diese erreichen Sie, indem Sie beispielsweise feuchte Handtücher aufhängen oder einen Luftbefeuchter kaufen.
  • Ausreichend trinken: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten Babys im Alter von 0 bis 4 Monaten eine Gesamtwasserzufuhr von etwa 680 Milliliter und von 4 bis 12 Monaten rund 1.000 Milliliter täglich zu sich nehmen.3 Durch das Trinken wird das Nasensekret verflüssigt und kann so leichter abfließen.
  • Muttermilch: Der Tipp, einige Tropfen frisch abgepumpter Muttermilch mithilfe einer Pipette in die Nase zu träufeln, kommt daher, da sie unter anderem Abwehrzellen enthält, die gegen Keime vorgehen. Darüber hinaus hilft sie beim Anfeuchten der Nasengänge. Allerdings kann es auch sein, dass durch die Muttermilch die feinen Nasenhärchen verkleben.
  • Nasenspülungen: Als gutes Mittel, um Babynasen von Schleim und Krankheitserregern zu befreien, gelten Nasenspülungen mit Salzwasser (physiologische Kochsalzlösung). Fertige Kochsalzlösungen erhalten die Sie in der Apotheke. Für die Anwendung ziehen Sie eine halbe Pipette mit der Lösung auf und spülen Sie damit ein Nasenloch. Schleim und Nasenspülung werden verschluckt und im Magen aufgelöst. Anschließend spülen Sie das andere Nasenloch.4 Den Vorgang lässt sich mehrmals täglich wiederholen. Bei Unsicherheiten zur Anwendung fragen Sie am besten Ihren Kinderarzt.
  • Abschwellende Nasentropfen (speziell für Babys und Kinder): Diese sollten nur sparsam angewandt werden und nicht länger als eine Woche.5 Bei einem langfristigen Gebrauch kann ein Gewöhnungseffekt eintreten, der zum weiteren Gebrauch der Nasentropfen verleitet.
Gut zu wissen:

Vorsichtig sollten Sie bei der Verwendung von ätherischen Ölen sein. Bestimmte Substanzen wie Kampfer, Thymian oder Eukalyptus können bei Kontakt – vor allem beim Inhalieren oder bei Anwendung im Gesicht – für Babys und Kinder gefährlich werden. So sind Krämpfe, Erbrechen, asthmaähnliche Anfälle bis hin zum Atemstillstand möglich. Verwenden Sie – wenn überhaupt – nur Produkte mit ätherischen Ölen, die ausdrücklich für die Anwendung bei Babys und Kleinkindern zugelassen sind. Wer sich unsicher ist, sollte vor der Anwendung den Kinderarzt um Rat fragen.

Eltern können zudem versuchen, den festsitzenden Schleim aus der Nase zu holen. Handelt es sich um verhärtetes Sekret, probieren Sie, dieses vorsichtig mit den Fingerspitzen oder ein wenig gedrehter Watte zu lösen. Weiches Sekret können Sie hingegen gut mit einem Nasensauger entfernen. Hat der Sauger einen Pumpball, wird dieser gedrückt und die Tülle an ein Nasenloch gehalten; währenddessen halten Sie das andere Nasenloch von Ihrem Kind zu. Nehmen Sie langsam den Druck weg – auf diese Weise wird das Sekret sanft abgesaugt. Neben dem Pumpball gibt es noch Nasensauger, die elektrisch funktionieren, mit einem Mundsauger betrieben oder an den Staubsauger angeschlossen werden.

Kann man dem infektiösen Babyschnupfen vorbeugen?

Um einen viral bedingten Schnupfen vorzubeugen, empfiehlt es sich, erkrankten Menschen fernzubleiben. Sofern jemand aus der Familie erkältet ist, achten Sie darauf, dass gebrauchte Gegenstände wie Taschentücher oder Zahnbürsten außer Reichweite liegen. So verhindern Sie, dass Ihr Baby damit spielt und sich ansteckt. Auch das Meiden großer Menschenmengen – vor allem im Winter – ist ratsam. Außerdem sollten Sie auf eine ausreichende Hygiene setzen: Waschen Sie sowohl Ihre eigenen Hände als auch die Ihres Kindes regelmäßig.

Damit die Schleimhäute in den Atemwegen nicht austrocknen, sorgen Sie in beheizten Räumen für ausreichend Luftfeuchtigkeit. Einen guten Schutz vor Keimen stellt außerdem ein starkes Immunsystem dar. Dazu tragen unter anderem eine abwechslungsreiche, vitamin- und nährstoffreiche Ernährung, aber auch ein Spaziergang an der frischen Luft bei.

Übrigens: Wem es möglich ist, sollte sein Baby stillen – das wirkt sich nicht nur wohlwollend auf die Bindung zwischen Mutter und Kind aus, sondern hat auch einen positiven Einfluss auf die kindliche Gesundheit. So konnte festgestellt werden, dass Muttermilch das Immunsystem stimulieren und vor Infektionskrankheiten schützen kann.6 Es wird empfohlen, mindestens bis zum fünften Lebensmonat zu stillen, gerne auch darüber hinaus.7

Tanja Albert
Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!