Der normale Schluckakt


Schlucken ist ein hochkomplexer Vorgang, an dem 50 Muskelpaare und 5 Hirnnerven3 beteiligt sind. Sensible Hirnnervenleitungen senden über Geschmacks-, Druck-, Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturreize Informationen zur Beschaffenheit und Menge des Schluckgutes an Stammhirn und Großhirn. Der eigentliche Schluckvorgang lässt sich in vier Phasen unterteilen:

1. Orale Vorbereitungsphase

In der ersten Phase, der oralen Vorbereitungsphase, wird die Nahrung in den Mund aufgenommen und es findet eine Analyse statt, ob das zugeführte Material genießbar ist. Danach wird die Nahrung durch Kauen und Einspeicheln soweit vorbereitet, dass sie die geeignete Konsistenz und Größe zum Abschlucken aufweist. Die schluckfertige Portion nennt man "Bolus". Diese Vorbereitung wird von uns willkürlich gesteuert, das bedeutet, dass wir die Nahrung beliebig lange im Mund behalten und kauen können.

2. Orale Transportphase

Die zu einem Bolus geformte Nahrung wird über den hinteren Teil der Zunge mittels Druck gegen den Gaumen in den Rachen transportiert.

3. Pharyngeale Phase

Der Bolus gelangt nun durch eine reflexgesteuerte Bewegungskette durch den Rachen (Pharynx)in die Speiseröhre. Die Atemwege verschließen sich während dieses Vorgangs in weniger als einer Sekunde automatisch, um zu verhindern, dass Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre kommen können.

4. Ösophageale Phase

In der letzten, der ösophagealen Phase, erfolgt der Bolustransport durch die Speiseröhre (Ösophagus) bis zum Mageneingang.

Engegefühl und Kloß im Hals


Betroffene beschreiben die Schluckbeschwerden oft mit einem Gefühl der Enge oder damit, einen Fremdkörper, den sogenannten "Kloß im Hals", zu haben. Die Rachenschleimhaut kämpft gegen die Infektion an und ist sehr empfindlich, was extrem schmerzhafte Ausmaße annehmen kann. Zudem kann der Zwang bestehen, sich zu räuspern und zu husten, auch um möglichen Schleim im Hals zu lösen. Häufiges Verschlucken und Hervorwürgen von Speiseresten zählen ebenfalls zu den möglichen Kennzeichen von Schluckbeschwerden.

Ursachen für Schluckbeschwerden


In den meisten Fällen sind Atemwegsinfekte Ursache für die Schmerzen und Probleme beim Schlucken. Sie erweisen sich in der Regel als harmlos und klingen nach wenigen Tagen wieder ab. Halten die Beschwerden jedoch länger als eine Woche4 an und gehen gar mit Gewichtsverlust einher, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Es gibt aber auch eine Vielzahl an anderen Gründen für Schmerzen beim Schlucken. Sie sind ein häufig beklagtes Symptom bei verschiedenen Erkrankungen und Gesundheitsproblemen:

  • bei Entzündungen im Mund-Nasen-Rachen-Raum (zum Beispiel bei Rachenentzündung oder Mandelentzündung)
  • bei Pilzinfektionen im Mund und Rachen (zum Beispiel bei Mundsoor)
  • bei Verbrühungen, Verätzungen oder Verschlucken von Fremdkörpern
  • bei der Refluxkrankheit (in die Speiseröhre aufsteigende Magenflüssigkeit)
  • bei im Bereich des Schluckweges liegenden Tumoren (gut- wie bösartige)
  • nach Tumoroperationen im Kopf-Hals-Bereich (vor allem bei Rachen-, Speiseröhren- und Kehlkopfkrebs) und darauffolgender Strahlentherapie
  • bei Gefäßverschluss nach einem Schlaganfall/Hirninfarkt (verschlechterte Durchblutung der für die Koordinierung eines normalen Schluckablaufs verantwortlichen Gehirnbereiche)
  • bei Erkrankungen wie Schüttellähmung (Parkinson-Krankheit, Morbus Parkinson), Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Schädel-Hirn-Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma)
  • als Nebenwirkungen von Medikamenten (zum Beispiel Neuroleptika, also Arzneimitteln mit antipsychotischer und beruhigender Wirkung gegen psychotische ["psychisch krank", "gemütskrank"] Symptome)
  • im hohen Lebensalter (Austrocknung der Schleimhäute durch nachlassendem Durst, schwindende Muskelkraft im Hals- und Rachenbereich)
  • bei pathologischen ("krankhaft") Ausstülpungen im Rachenbereich, sogenannte Zenker-Divertikel (Festsetzung von Speiseresten in den Divertikeln)
  • bei einer vergrößerten Schilddrüse aufgrund von Jodmangel (erschwertes Durchkommen des Bolus durch den Rachen in die Speiseröhre)
  • bei einer Achalasie (Bewegungsstörung der Speiseröhre, der untere Ringmuskel der Speiseröhre verkrampft und öffnet sich nicht richtig)
  • bei Ösophagusvarizen (Krampfadern in der Speiseröhre, erhöhter Venendruck und bestehendes Risiko einer schweren Blutung beim Platzen der Gefäße
  • bei verstärkter Knochenspornbildung im Bereich der Halswirbelsäule (eingeengter Speiseweg)

Nach Ausschluss von organischen Ursachen für die Schluckbeschwerden besteht noch die Möglichkeit, den Ursprung der Probleme in der Psyche des Betroffenen zu suchen. Schwierigkeiten beim Schlucken sind mitunter Ausdruck generalisierter Angststörungen oder einer zu hohen Stressbelastung. Dies kann durch eine psychosomatische Betreuung erkannt und behandelt werden.

Schluckbeschwerden kommen selten allein

Neben den eigentlichen Schmerzen beim Schlucken gibt es noch einige Nebensymptome, die zusätzlich auftreten können:

  • Ohrenschmerzen (Schmerzen strahlen bis zum Ohr aus)
  • Heiserkeit (Reizung betrifft nicht nur die Rachenschleimhaut, sondern genauso den Bereich der Stimmbänder
  • Husten/Würgen (allgemeines Gefühl der Reizung, Empfindlichkeit im Rachen)
  • Mundgeruch (reinigende Funktion des Schluckens findet eingeschränkt statt)
  • geschwollene Halslymphknoten (aufgrund der Infektion)
  • Gewichtsverlust, Trinkschwäche und Nährstoffmangel (nach länger bestehenden Schluckbeschwerden und unzureichender Ernährung)

Tipps & Hausmittel bei Schluckbeschwerden


Die meisten Halsbeschwerden lassen nach wenigen Tagen wieder nach. Einfache Maßnahmen genügen hier und verschaffen Linderung. Zur Behandlung von Schluckbeschwerden bietet es sich an, Rachensprays oder Lösungen zum Gurgeln anzuwenden, welche die Viren regelrecht wegspülen. Lutschpastillen mit Isländisch Moos, Salbei oder Thymian bilden einen Schutzfilm auf der gereizten Schleimhaut. Stärker wirken Pastillen mit betäubenden und desinfizierenden Wirkstoffen. Diese sollten aber nicht zu lange eingenommen werden, da sie sonst ernste Ursachen verschleiern können.

Wärme, von innen wie von außen, regt die Durchblutung an und Sie unterstützen so Ihr Immunsystem dabei, die Erkältungsviren abzuwehren. Tragen Sie einen Schal und wärmende Kleidung und trinken Sie viel Tee. Besonders Salbeitee kann wohltuend, entzündungshemmend und antibakteriell wirken.

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Dem Kloß im Hals vorbeugen


Um eine Infektion des Mund- und Rachenraums zu verhindern und so Schmerzen beim Schlucken und dem Kloß im Hals vorzubeugen, können Sie selbst ein paar Maßnahmen umsetzen: Trinken Sie viel, damit Ihre Schleimhäute gut befeuchtet bleiben. Entzündungshemmende Tees mit Honig eignen sich hier besonders und helfen vorbeugend gegen den Kloß im Hals. Durch regelmäßiges Händewaschen sorgen Sie für ausreichende Hygiene und reduzieren so die Gefahr vor der Ansteckung mit Krankheitserregern. Schweigen Sie ruhig mal eine Weile – das verschafft Mund und Hals zusätzlich Erholung. Insgesamt können eine gesunde Lebensweise, Sport und die Stärkung des Immunsystems dazu beitragen, Entzündungen zu verhindern.

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Carolin Stollberg Schreiben ist ihre Leidenschaft – und das am liebsten über Themen, die die Menschen wirklich bewegen. Nachdem sich Carolin Stollberg in ihrem Studium der Germanistik alle Instrumente angeeignet hat, die sie für das Schreiben guter Texte benötigt, konnte sie sich voll und ganz Ihren Interessensschwerpunkten widmen: Gesundheit und Medizin. Seit Juli 2018 schreibt sie mit Hingabe und Sorgfalt für kanyo®. Carolin Stollberg Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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