Schluckbeschwerden – wenn das Schlucken Schmerzen bereitet

23. August 2018
8 Min.

Erst wenn plötzlich Probleme und Schmerzen auftreten, werden wir uns der Komplexität des Schluckens bewusst. Jeder Schluckakt dient dazu, Nahrung und Speichel aus dem Mundraum in den Magen zu befördern, ohne dabei die Atemwege zu gefährden. Der Schluckvorgang ist damit für uns von vitaler Bedeutung und findet täglich mehr als 2.000 Mal statt,1 bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von circa 75 Jahren also insgesamt um die 30 Millionen Mal.2 Doch was ist, wenn Sie plötzlich, zum Beispiel aufgrund einer Infektion, an Halsschmerzen und einer Schluckstörung (medizinisch Dysphagie) leiden? Was Sie gegen den Kloß im Hals tun und wie Sie Schluckbeschwerden vorbeugen können, erfahren Sie hier.

Eine Frau hält sich aufgrund von Schluckbeschwerden die Hand an den Hals.

Der normale Schluckakt

Schlucken ist ein hochkomplexer Vorgang, an dem 50 Muskelpaare und 5 Hirnnerven3 beteiligt sind. Sensible Hirnnervenleitungen senden über Geschmacks-, Druck-, Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturreize Informationen zur Beschaffenheit und Menge des Schluckgutes an Stammhirn und Großhirn. Der eigentliche Schluckvorgang lässt sich in vier Phasen unterteilen:

1. Orale Vorbereitungsphase
In der ersten Phase, der oralen Vorbereitungsphase, wird die Nahrung in den Mund aufgenommen und es findet eine Analyse statt, ob das zugeführte Material genießbar ist. Danach wird die Nahrung durch Kauen und Einspeicheln soweit vorbereitet, dass sie die geeignete Konsistenz und Größe zum Abschlucken aufweist. Die schluckfertige Portion nennt man „Bolus“. Diese Vorbereitung wird von uns willkürlich gesteuert, das bedeutet, dass wir die Nahrung beliebig lange im Mund behalten und kauen können.

2. Orale Transportphase
Die zu einem Bolus geformte Nahrung wird über den hinteren Teil der Zunge mittels Druck gegen den Gaumen in den Rachen transportiert.

3. Pharyngeale Phase
Der Bolus gelangt nun durch eine reflexgesteuerte Bewegungskette durch den Rachen (Pharynx)in die Speiseröhre. Die Atemwege verschließen sich während dieses Vorgangs in weniger als einer Sekunde automatisch, um zu verhindern, dass Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre kommen können.

4. Ösophageale Phase
In der letzten, der ösophagealen Phase, erfolgt der Bolustransport durch die Speiseröhre (Ösophagus) bis zum Mageneingang.

Welche Probleme können beim Schlucken auftreten?

Betroffene beschreiben die Schluckbeschwerden oft mit einem Gefühl der Enge oder damit, einen Fremdkörper, den sogenannten „Kloß im Hals“, zu haben. Die Rachenschleimhaut kämpft gegen die Infektion an und ist sehr empfindlich, was extrem schmerzhafte Ausmaße annehmen kann. Zudem kann der Zwang bestehen, sich zu räuspern und zu husten, auch um möglichen Schleim im Hals zu lösen. Häufiges Verschlucken und Hervorwürgen von Speiseresten zählen ebenfalls zu den möglichen Kennzeichen von Schluckbeschwerden.

Ursachen für Schluckbeschwerden

In den meisten Fällen sind Atemwegsinfekte Ursache für die Schmerzen und Probleme beim Schlucken. Sie erweisen sich in der Regel als harmlos und klingen nach wenigen Tagen wieder ab. Halten die Beschwerden jedoch länger als eine Woche4 an und gehen gar mit Gewichtsverlust einher, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Es gibt aber auch eine Vielzahl an anderen Gründen für Schmerzen beim Schlucken. Sie sind ein häufig beklagtes Symptom bei verschiedenen Erkrankungen und Gesundheitsproblemen:

  • bei Entzündungen im Mund-Nasen-Rachen-Raum (zum Beispiel bei Rachenentzündung oder Mandelentzündung)
  • bei Pilzinfektionen im Mund und Rachen (zum Beispiel bei Mundsoor)
  • bei Verbrühungen, Verätzungen oder Verschlucken von Fremdkörpern
  • bei der Refluxkrankheit (in die Speiseröhre aufsteigende Magenflüssigkeit)
  • bei im Bereich des Schluckweges liegenden Tumoren (gut- wie bösartige)
  • nach Tumoroperationen im Kopf-Hals-Bereich (vor allem bei Rachen-, Speiseröhren- und Kehlkopfkrebs) und darauffolgender Strahlentherapie
  • bei Gefäßverschluss nach einem Schlaganfall/Hirninfarkt (verschlechterte Durchblutung der für die Koordinierung eines normalen Schluckablaufs verantwortlichen Gehirnbereiche)
  • bei Erkrankungen wie Schüttellähmung (Parkinson-Krankheit, Morbus Parkinson), Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Schädel-Hirn-Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma)
  • als Nebenwirkungen von Medikamenten (zum Beispiel Neuroleptika, also Arzneimitteln mit antipsychotischer und beruhigender Wirkung gegen psychotische [„psychisch krank“, „gemütskrank“] Symptome)
  • im hohen Lebensalter (Austrocknung der Schleimhäute durch nachlassendem Durst, schwindende Muskelkraft im Hals- und Rachenbereich)
  • bei pathologischen („krankhaft“) Ausstülpungen im Rachenbereich, sogenannte Zenker-Divertikel (Festsetzung von Speiseresten in den Divertikeln)
  • bei einer vergrößerten Schilddrüse aufgrund von Jodmangel (erschwertes Durchkommen des Bolus durch den Rachen in die Speiseröhre)
  • bei einer Achalasie (Bewegungsstörung der Speiseröhre, der untere Ringmuskel der Speiseröhre verkrampft und öffnet sich nicht richtig)
  • bei Ösophagusvarizen (Krampfadern in der Speiseröhre, erhöhter Venendruck und bestehendes Risiko einer schweren Blutung beim Platzen der Gefäße
  • bei verstärkter Knochenspornbildung im Bereich der Halswirbelsäule (eingeengter Speiseweg)

Nach Ausschluss von organischen Ursachen für die Schluckbeschwerden besteht noch die Möglichkeit, den Ursprung der Probleme in der Psyche des Betroffenen zu suchen. Schwierigkeiten beim Schlucken sind mitunter Ausdruck generalisierter Angststörungen oder einer zu hohen Stressbelastung. Dies kann durch eine psychosomatische Betreuung erkannt und behandelt werden.

Schluckbeschwerden kommen selten allein

Neben den eigentlichen Schmerzen beim Schlucken gibt es noch einige Nebensymptome, die zusätzlich auftreten können:

  • Ohrenschmerzen (Schmerzen strahlen bis zum Ohr aus)
  • Heiserkeit (Reizung betrifft nicht nur die Rachenschleimhaut, sondern genauso den Bereich der Stimmbänder
  • Husten/Würgen (allgemeines Gefühl der Reizung, Empfindlichkeit im Rachen)
  • Mundgeruch (reinigende Funktion des Schluckens findet eingeschränkt statt)
  • geschwollene Halslymphknoten (aufgrund der Infektion)
  • Gewichtsverlust, Trinkschwäche und Nährstoffmangel (nach länger bestehenden Schluckbeschwerden und unzureichender Ernährung)

Wie können Halsschmerzen und Probleme beim Schlucken behandelt werden?

Die meisten Halsbeschwerden lassen nach wenigen Tagen wieder nach. Einfache Maßnahmen genügen hier und verschaffen Linderung. Zur Behandlung von Schluckbeschwerden bietet es sich an, Rachensprays oder Lösungen zum Gurgeln anzuwenden, welche die Viren regelrecht wegspülen. Lutschpastillen mit Isländisch Moos, Salbei oder Thymian bilden einen Schutzfilm auf der gereizten Schleimhaut. Stärker wirken Pastillen mit betäubenden und desinfizierenden Wirkstoffen. Diese sollten aber nicht zu lange eingenommen werden, da sie sonst ernste Ursachen verschleiern können.

Wärme, von innen wie von außen, regt die Durchblutung an und Sie unterstützen so Ihr Immunsystem dabei, die Erkältungsviren abzuwehren. Tragen Sie einen Schal und wärmende Kleidung und trinken Sie viel Tee. Besonders Salbeitee kann wohltuend, entzündungshemmend und antibakteriell wirken.

Lässt sich die Dysphagie nicht durch eine einfache Infektionserkrankung erklären oder halten die Beschwerden über einen längeren Zeitraum an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Dem Kloß im Hals vorbeugen

Um eine Infektion des Mund- und Rachenraums zu verhindern und so Schmerzen beim Schlucken vorzubeugen, können Sie selbst ein paar Maßnahmen umsetzen: Trinken Sie viel, damit Ihre Schleimhäute gut befeuchtet bleiben. Entzündungshemmende Tees mit Honig eignen sich hier besonders und helfen vorbeugend. Durch regelmäßiges Händewaschen sorgen Sie für ausreichende Hygiene und reduzieren so die Gefahr vor der Ansteckung mit Krankheitserregern. Schweigen Sie ruhig mal eine Weile – das verschafft Mund und Hals zusätzlich Erholung. Insgesamt können eine gesunde Lebensweise, Sport und die Stärkung des Immunsystems dazu beitragen, Entzündungen zu verhindern.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin
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