Keuchhusten (Pertussis): Ansteckend und langwierig

10. November 2011
15 Min.

Als Keuchhusten – auch Pertussis oder 100-Tage-Husten genannt – wird eine akute Infektion der Atemwege bezeichnet, die für einen teilweise schweren Krankheitsverlauf sorgen kann. Weltweit gilt er als eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern – doch auch immer mehr Jugendliche und Erwachsene infizieren sich. Lesen Sie hier, welche Symptome der Keuchhusten mit sich bringt, welche Rolle Impfungen spielen und weshalb für diese Erkrankung eine Meldepflicht bei Gesundheitsämtern besteht.


Im Überblick:


Keuchhusten erkennen: Ursachen, Verlauf und Symptome

Frau leidet bei der Arbeit unter Keuchhusten

Schuld am Ausbruch eines Keuchhustens ist das Bakterium Bordetella pertussis. Der Erreger vermehrt sich nach einer Ansteckung auf den Schleimhäuten und produziert dabei spezifische Toxine (Gifte), die das Gewebe schädigen und die körperliche Abwehr schwächen. Die Reaktion des Organismus auf das Bakterium stellt dann das Symptombild des Keuchhustens dar.

Neben Bordetella pertussis führen noch zwei weitere Bakterienarten der Gattung Bordetella zu einem keuchhustenähnlichen Krankheitsbild mit jedoch deutlich milderem Verlauf: Bordetella parapertussis und Bordetella holmesii.

Infizieren sich ungeimpfte Kinder oder Erwachsene mit dem typischen Pertussis-Erreger, kann die Erkrankung mehrere Wochen bis Monate andauern. Sie verläuft klassischerweise in folgenden drei Schritten:

  • Stadium catarrhale (Erkältungsphase):

    Etwa ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung treten Beschwerden wie leichter Husten und Schnupfen auf. Auch mäßiges Fieber (bis 38,5 Grad Celsius)1 ist möglich. In diesem Stadium geschieht die Verwechslung des Keuchhustens mit einer normalen Erkältung häufig. Der Patient ist bereits hoch ansteckend.

  • Stadium convulsivum (Anfallphase):

    Über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen treten die typischen Symptome des Keuchhustens auf. Dazu gehören (oft minutenlange) krampfartige Hustenanfälle (Stakkatohusten), die mit Atemnot einhergehen können. 5 bis 50 Anfälle innerhalb von 24 Stunden sind möglich. Auch Atemgeräusche, das Hervorwürgen von Schleim sowie Erbrechen kommen vor. Begleitet wird diese Phase zudem von Appetit- und Schlaflosigkeit. Fieber ist eher selten.

  • Stadium decrementi (Erholungsphase):

    Innerhalb der nächsten sechs bis zehn Wochen nehmen die Hustenanfälle langsam ab. Der Körper bleibt bis zur vollständigen Genesung jedoch weiterhin anfällig und geschwächt. Vor allem Anstrengung, Stress, kalte Luft und Tabakrauch können in dieser Zeit noch starken Reizhusten hervorrufen.2

Besonders typisch ist das Auftreten dieser drei Stadien vor allem bei Kindern. Jugendliche und Erwachsene zeigen häufig lediglich einen besonders langanhaltenden Husten – ein Grund, aus dem die Pertussis oft unentdeckt bleibt.

Achtung bei Säuglingen und Pertussis

Ungeimpfte Säuglinge unter einem Alter von sechs Monaten sowie Frühgeborene oder Babys von sehr jungen Müttern haben aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems ein erhöhtes Risiko, an Keuchhusten zu erkranken. Dabei zeigen sie oft keine charakteristischen Symptome, sondern neigen zu Atemaussetzern (Apnoe), die eine sofortige intensivmedizinische Therapie erfordern.

Auch sind Säuglinge deutlich häufiger von Komplikationen der Pertussis – wie beispielsweise Entzündungen von Lungen, Ohren sowie Gehirn – betroffen.

Eine weitere Besonderheit: Pertussis-Antikörper, die im Verlauf einer Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen werden (Nestschutz), sind bereits vier Monate nach der Geburt nicht mehr im kindlichen Blut nachweisbar.3 Dies bedeutet, dass ein erneuter Schutz vor den Erregern des Keuchhustens beim Säugling erst durch eine Impfung erfolgt.

Wie ansteckend ist Keuchhusten?

Keuchhusten ist sehr ansteckend und per Tröpfcheninfektion auf andere Personen übertragbar. Bei einer Tröpfcheninfektion werden kleine, infektiöse Partikel vom Erkrankten beim Niesen, Husten oder Sprechen ausgeschieden und über die Luft im Umkreis von bis zu einem Meter verteilt.4 Gesunde Menschen atmen diese Partikel ein und infizieren sich so. Da Keuchhusten gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig unentdeckt bleibt und als hartnäckiger Husten abgeschrieben wird, sind diese Personengruppen besonders oft für eine Verbreitung der Erreger verantwortlich.

Inkubationszeit: Die Inkubationszeit beschreibt den Zeitraum von der Ansteckung mit einer Erkrankung bis hin zu ihrem Ausbruch. Bei Keuchhusten beträgt sie in den meisten Fällen neun bis zehn Tage.2

In den ersten beiden Wochen nach Beendigung der Inkubationszeit – also im Stadium catarrhale – ist der Keuchhusten besonders ansteckend. Doch auch im Stadium convulsivum ist noch eine Übertragung möglich. Lediglich die Behandlung mit Antibiotika verkürzt die Dauer der Ansteckungsfähigkeit (je nach Antibiotikum auf etwa drei bis sieben Tage nach Therapiebeginn).3

Ein Mensch kann im Laufe seines Lebens mehrmals an Pertussis erkranken. Die Immunität (Widerstandsfähigkeit gegen die Erreger) nach einem überstandenen Keuchhusten oder einer Impfung hält durchschnittlich nur etwa sechs bis zehn Jahre an.5

Pertussis: Komplikationen und Risikopatienten

Welche Komplikationen und Folgeerkrankungen aufgrund eines Keuchhustens und der Verbreitung der auslösenden Keime im Körper auftreten können, richtet sich zu einem großen Teil nach der Altersgruppe der Patienten:

  • Babys:Lungenentzündung, Atemnot, Krampfanfälle, Gehirnentzündung
  • Schulkinder: Lungenentzündung, Mittelohrentzündung
  • Jugendliche und Erwachsene: Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, Inkontinenz, Leistenhernien, Nasennebenhöhlenentzündung

Gerade bei einer Keuchhusten-Erkrankung im ersten Lebensjahr können die bedrohlichen Komplikationen zu bleibenden Lähmungen, Seh-, Hör- oder geistigen Störungen und in einigen Fällen sogar zum Tod führen.

Neben Säuglingen gibt es noch weitere Personengruppen, die bei einer Infektion mit Pertussis besonders schnell Komplikationen entwickeln. Dazu zählen vor allem chronisch erkrankte Menschen mit geschwächtem Immunsystem (aufgrund von beispielsweise Herzfehlern, Atemwegserkrankungen oder den Nebenwirkungen einer Krebstherapie) und sehr betagte Senioren.

Interessant: Erkrankt eine schwangere Frau an Keuchhusten, überträgt sich die Erkrankung nicht auf das ungeborene Kind im Mutterleib. Lediglich die besonders schweren Hustenanfälle können (selten) eine verfrühte Wehentätigkeit auslösen.

Meldepflicht bei Keuchhusten

Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr und den teilweise schwerwiegenden Folgen besteht nach Paragraph 6 Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes eine Meldepflicht bei einem Krankheitsverdacht, einer bestehenden Erkrankung oder dem Tod durch Keuchhusten. Meldungen müssen vom Arzt spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis an das Gesundheitsamt übermittelt werden.3

Für wen wird die Keuchhusten-Impfung empfohlen?

Gegen den Keuchhusten-Erreger Bordetella pertussis kann eine Impfung erfolgen. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt diese Präventionsmaßnahme vor allem bei Säuglingen, da die Pertussis bei ihnen oftmals besonders schwer verläuft. Wichtig sind zudem die Auffrischungsimpfungen im Vorschul-, Jugend- sowie Erwachsenenalter, um die Immunität aufrechtzuerhalten. Eine einmalige Impfung oder ein überstandener Keuchhusten ist leider nicht ausreichend, um den Organismus lebenslang vor den Krankheitserregern zu schützen.

Eine weitere Empfehlung besteht zudem für:

  • Personal im Gesundheitswesen
  • enge Bezugspersonen von Säuglingen
  • Frauen mit Kinderwunsch

Wichtig zu wissen ist, dass die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz vor der Erkrankung bietet. Sie sorgt jedoch dafür, dass das Risiko, sich zu infizieren, deutlich abnimmt und die Krankheit milder verläuft, wenn sie dann doch eintritt. Zudem wird nur durch die regelmäßigen, allgemeinen Impfungen verhindert, dass Keuchhusten auf Menschen übertragen werden kann, die beispielsweise aufgrund einer Immunschwäche oder chronischen Erkrankung selbst nicht geimpft werden dürfen.

Interessant: US-amerikanische Wissenschaftler haben in einer Studie mit 150.000 Neugeborenen erforscht, wie sich eine Impfung der Mutter gegen Keuchhusten während der Schwangerschaft auf den Fötus auswirkt. Dabei konnte festgestellt werden, dass das Serum keine negativen Auswirkungen auf das Kind hatte. Im Gegenteil: Die mütterliche Impfung verringerte das Risiko des Säuglings, nach der Geburt an Keuchhusten zu erkranken, um rund 90 Prozent.

Erfolgte die Impfung dagegen noch vor dem Eintreten der Schwangerschaft, lag der Schutz des Babys bei lediglich 68,6 Prozent. Vermutet wird, dass durch die Impfung während der Schwangerschaft eine größere Anzahl an Antikörpern gegen Keuchhusten von der Mutter auf den Säugling übertragen wird.

In Deutschland liegt derzeit keine Empfehlung zu einer Impfung während der Schwangerschaft vor. Die Studienlage wird jedoch von der STIKO geprüft.6

Verdacht auf Pertussis— die Diagnose

Bei starkem oder langanhaltendem Husten (länger als eine Woche) sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.4 Bei Säuglingen sogar bereits bei den ersten Anzeichen einer Erkältung. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für Komplikationen.

Keuchhusten kann mit oder ohne die klassischen Symptome – wie krampfartige Hustenanfälle – auftreten. In beiden Fällen sichert der Arzt die Verdachtsdiagnose häufig per Labordiagnostik ab. Hierzu werden möglicherweise folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Abstrich aus dem hinteren Nasen-Rachenraum:

    Mithilfe eines Abstrichs können die beiden Erreger Bordetella pertussis und parapertussis in den ersten zwei bis drei Wochen nach Hustenbeginn nachgewiesen werden.3 Dabei führt der Arzt einen Tupfer durch die Nase bis an die Nasen-Rachenwand heran und dreht ihn vorsichtig (auch Abstriche aus Nasen-Rachen-Sekret sind möglich). Die entnommene Probe wird dann im Labor auf die Bakterien hin untersucht. Diese Methode dient der frühen Erkennung der Pertussis, da durch den Abstrich die Erreger nachgewiesen werden können, schon bevor der Organismus Antikörper gebildet hat.

  • Blutuntersuchung auf Antikörper:

    Da Antikörper gegen Keuchhusten erst ab etwa drei Wochen nach Hustenbeginn im Blutserum zu finden sind, ist diese Methode zum frühen Nachweis der Erkrankung ungeeignet.3 Außerdem kann das Vorhandensein von Antikörpern auch auf eine beispielsweise schon früher durchgemachte Erkrankung hinweisen.

    Als Zeichen einer bestehenden (akuten) Keuchhustenerkrankung ist ein Anstieg der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) zu beobachten. Da dies jedoch ein sehr allgemeines Kennzeichen für das Bestehen einer Infektion im Körper ist, dient sie nicht zum direkten Nachweis einer vorhandenen Pertussis.

Liegt erwiesenermaßen Keuchhusten vor, wird je nach Stadium der Erkrankung eine Behandlung eingeleitet.

So hilft der Arzt: Behandlung bei Keuchhusten

Auch wenn der Keuchhusten schon in der Anfangsphase, dem Stadium catarrhale, erkannt wird, kann ein Ausbruch nicht verhindert werden. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika (innerhalb der ersten beiden Wochen nach Hustenbeginn) führt jedoch zu einem abgemilderten Krankheitsverlauf und einer Verkürzung der Ansteckungsfähigkeit auf etwa drei bis sieben Tage.3 Eine spätere Antibiotika-Therapie bewirkt in der Regel keine deutliche Verbesserung der Symptomatik. Mittel der Wahl sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit unter anderem:

  • Azithromycin
  • Clarithromycin

Bei Säuglingen ist zusätzlich zur medikamentösen Therapie eine stationäre Aufnahme zur Überwachung der Atmung angeraten.

Hustensäfte zeigen bei den starken Hustenanfällen der Pertussis für gewöhnlich nur geringe Wirkung. Lediglich schleimlösende Medikamente sorgen für etwas Linderung, indem sie den zähen Schleim verflüssigen.

Achtung: Personen, die an Keuchhusten erkrankt sind, müssen während der Ansteckungsfähigkeit so gut wie möglich von anderen Menschen, aber vor allem von Säuglingen, chronisch Kranken, Immungeschwächten, Senioren und Schwangeren ferngehalten werden.

Wichtig ist es auch, bei der Terminvereinbarung beim Haus- oder Kinderarzt dringend den Verdacht auf Keuchhusten zu erwähnen, sofern er besteht. So können Maßnahmen getroffen werden, die verhindern, dass bei Ihrem Besuch in der Praxis andere Patienten angesteckt werden (beispielsweise durch den Aufenthalt in einem separaten Wartezimmer).

Mit Hausmitteln gegen den Keuchhusten

Auch einige Hausmittel und Maßnahmen, die Sie bei sich selbst oder Ihrem Kind durchführen können, tragen zur unterstützenden Behandlung von Keuchhusten bei. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Kleine Mahlzeiten: Gerade im Stadium convulsivum mit schweren Hustenattacken kommt es oft zu Würgereflexen. Befinden sich große Mengen Nahrung im Magen, werden diese dann schnell erbrochen. Zudem sollte auf eine vorwiegend breiige Ernährung geachtet werden, da diese das Risiko senkt, sich zu verschlucken.
  • Für Ruhe sorgen: Stress, Aufregung und körperliche Aktivitäten steigern das Risiko für Hustenanfälle und schwächen den Körper zusätzlich. Gegen ruhige Beschäftigung oder langsame Spaziergänge an der frischen Luft ist jedoch nichts einzuwenden.
  • Viel trinken: Unterstützt den Körper bei der Verflüssigung des zähen Schleims und bei der Abwehr der Krankheitserreger. Trinken Sie dabei jedoch bevorzugt viele kleine Mengen über den Tag hinweg. Bei großen Trinkmengen ist die Gefahr größer, dass sie bei einem Hustenanfall erbrochen werden.
  • Inhalieren: Regelmäßige Inhalationen beispielsweise mit Meersalz sorgen für eine Befeuchtung der Schleimhäute und können helfen, den Schleim zu verflüssigen, damit er sich leichter abhusten lässt.

Während eines akuten Hustenanfalls verschafft aufrechtes Sitzen mit leicht nach vorne gebeugtem Kopf Linderung.

Rezept für Keuchhustentee (ab einem Jahr):

Vermischen Sie zur Linderung und Behandlung der Keuchhusten-Symptome die folgenden – in der Apotheke erhältlichen – getrockneten Kräuter. Sie alle haben schleimlösende, entzündungshemmende, antibakterielle und heilungsfördernde Eigenschaften.

  • 20 Gramm Eibischwurzel
  • 20 Gramm Holunderblüten
  • 20 Gramm Thymiankraut
  • 10 Gramm Anissamen
  • 10 Gramm Salbeiblätter
  • 10 Gramm Schlüsselblumenblüten
  • 10 Gramm Veilchenblätter

Zwei Teelöffel der Kräutermischung werden in einem Mörser zerstoßen und dann in einem Tee-Ei mit 250 Millilitern heißem (nicht kochendem) Wasser übergossen. Bei Kindern unter sechs Jahren genügt ein Teelöffel der Kräutermischung. Nach fünf Minuten kann das Tee-Ei entfernt werden. Je nach Geschmack ist es möglich, den Tee mit Honig zu versüßen.7

Jana Welsner
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Medizinredakteurin und Lebensmitteltechnologin
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