Kieferhöhlenentzündung – Symptome, Dauer, Behandlung

23. März 2020
16 Min.

Sie leiden während oder nach einer Erkältung an Kieferschmerzen, Fieber und einem starken Druckschmerz im Bereich der Wangen und der Stirn? Dann sind Sie möglicherweise an einer Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris) erkrankt. Lesen Sie hier mehr zur Dauer, den Symptomen und der Therapie dieser oftmals langwierigen Infektion der Nasennebenhöhlen.

Frau, die unter den Symptomen einer Kieferhöhlenentzündung leidet.


Überblick:



Häufig gestellte Fragen zur Kieferhöhlenentzündung

  • Welche Krankheitserreger lösen eine Kieferhöhlenentzündung aus? Überwiegend sind Viren verantwortlich, hinter dem entzündlichen Prozess können aber auch Bakterien und in seltenen Fällen Pilze stecken.
  • Wie lange dauert die Kieferhöhlenentzündung? Halten die Beschwerden länger als 3 Monate an, wird von einer chronischen Kieferhöhlenentzündung gesprochen. Für gewöhnlich ist die Erkrankung aber nach einer Dauer von 8 bis 14 Tagen überstanden.1
  • Wie lange bin ich bei einer Entzündung der Kieferhöhlen krankgeschrieben? Hierauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, da die Dauer der Krankschreibung auch von individuellen Faktoren wie dem allgemeinen Gesundheitszustand abhängig ist. In der Regel wird Sie der Arzt ein paar Tage krankschreiben, bei schweren Verläufen auch 2 Wochen und darüber hinaus.2
  • Verdacht auf Kieferhöhlentzündung – wann sollte ich zum Arzt? Wenn sich die Beschwerden nach einer Woche nicht bessern, ist ein Arztbesuch ratsam.3 Ebenso, wenn Ihnen weitere Symptome wie Fieber oder starke Schmerzen zu schaffen machen. Ihr Hausarzt überweist Sie gegebenenfalls an einen HNO-Arzt.
  • Ist die Kieferhöhlenentzündung ansteckend? Ja, wenn sie von Bakterien oder Viren ausgelöst wurde. Grundsätzlich gibt es zwei Übertragungswege. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die Anatomie der Nasennebenhöhlen

Die Nasennebenhöhlen sind paarig angelegte, luftgefüllte Hohlräume im Schädel, die in direkter Verbindung mit der Nase stehen. Sie werden unterteilt in

  • Stirnhöhle (Sinus frontalis),
  • Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales),
  • Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis) und
  • Kieferhöhle (Sinus maxillaris).

Letztere befinden sich links und rechts der Nase und grenzen an Oberkiefer sowie Gaumen. Müsste man die Form der Kieferhöhlen möglichst bildlich beschreiben, ließen sie sich mit umgedrehten Pyramiden vergleichen.

Alle Nasennebenhöhlen dienen als Resonanzraum für den Klang der Sprache sowie zur Reinigung, Anfeuchtung und Erwärmung der Atemluft. Die Höhlen sind von einer speziellen Schleimhaut mit winzigen Flimmerhärchen, sogenannten Zilien, ausgekleidet. Diese befördern Schmutz- und Schadstoffe mit Hilfe eines schleimigen Sekrets in Richtung Rachen und von dort aus in den Magen, wo sie von der Magensäure unschädlich gemacht werden. Zudem ist die Schleimhaut zuständig für die Befeuchtung der Luft, während das Blutgefäßsystem sie auf Körpertemperatur erwärmt.

Interessant!

Von Entzündungen betroffen sind in absteigender Häufigkeit die Kieferhöhle, die Siebbeinzellen, die Stirn- und die Keilbeinhöhle.4 Bei einer Pansinusitis sind alle Nasennebenhöhlen entzündet.

Symptome der Kieferhöhlenentzündung

Typische Beschwerden dieser Art der Nasennebenhöhlenentzündung sind dumpfe, pochende Schmerzen im Bereich der Wange, die bis in die Stirn ausstrahlen können. Betroffene reagieren in diesen Gesichtsregionen äußerst empfindlich auf Druck oder leichtes Klopfen. Tritt bei einer Erkältung ein Mittelgesichtsschmerz auf, der sich von der Stirn bis zu den Zähnen des Oberkiefers erstreckt, kann dies ein Anzeichen für eine Sinusitis maxillaris sein. Ebenso sind folgende Merkmale typisch:

  • sich verstärkende Schmerzen beim Vorbeugen des Kopfes und Bücken
  • Nasensekret (eitrig)
  • behinderte Nasenatmung
  • eingeschränkter Geruchssinn
  • Kopfschmerzen
  • Krankheitsgefühl
  • anhaltende Erschöpfung
  • leicht erhöhte (37,5 bis 38,0 Grad Celsius ) bis fieberhafte (ab 38,1 Grad Celsius5) Körpertemperatur
  • Husten durch Schleim, der in den Rachen läuft
  • Zahnschmerzen
  • Unterlidschwellungen
  • Ohrenschmerzen

Kieferhöhlenentzündung: So entsteht sie

Die Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris) ist in den meisten Fällen die Folge einer Erkältung oder Grippe. Auch eine Allergie, beispielsweise gegen Pollen, kann die Entzündung verursachen. Die Krankheitserreger infizieren die Schleimhautzellen, woraus eine entzündliche Schleimhautschwellung entsteht und verstärkt Sekret produziert wird. Dieses fließt dann aufgrund der Schwellung nicht mehr aus den Nasennebenhöhlen ab und staut sich zurück. Dank des dort vorherrschenden feucht-warmen Milieus können sich die Erreger stark vermehren.

Vor allem aufgrund ihrer Position sind die Kieferhöhlen mit am häufigsten von Entzündungen betroffen. Sie liegen direkt über dem Oberkiefer, was dazu führt, dass sie schneller von Erregern aus der Nase oder dem Mundraum besiedelt werden können als beispielsweise die Stirnhöhlen, die im Schädel weiter oben liegen.

Aufgrund der räumlichen Nähe sind häufig auch Zahnprobleme Schuld an der Kieferhöhlenentzündung. Hierzu gehören unter anderem:

  • eine Zahnfleischentzündung, die über den Nasenrachenraum auf die Kieferhöhle übertragen wird
  • ein verlagerter Zahn, zum Beispiel ein schiefstehender Zahn, der in die Kieferhöhle ragt
  • eine Verletzung, die eine Öffnung zwischen dem Mund und der Kieferhöhle geschaffen hat
  • ein Wurzelrest oder Fremdkörper (beispielsweise Wurzelfüllmaterial), der in die Kieferhöhle geraten ist

Ist der Auslöser der Kieferhöhlenentzündung im Mundraum begründet, muss zunächst eine Zahn- beziehungsweise Kieferbehandlung erfolgen, um die Ursache der Infektion zu beheben.

Sinusitis maxillaris – Risikofaktoren

Anfällig für eine Kieferhöhlenentzündung und deren Symptome sind in erster Linie Menschen mit

  • einem geschwächten Immunsystem,
  • anatomischen Verkrümmungen oder Engstellen im Bereich der Nasennebenhöhlen (beispielsweise durch Schleimhautwucherungen), da sich Infektionserreger gerne dort einnisten, sowie
  • Zahnerkrankungen.

Wichtig:

Insbesondere, wenn die Symptome einseitig auftreten, ist an eine von den Zähnen ausgehende Sinusitis maxillaris zu denken und der Zahnarzt aufzusuchen. Tatsächlich gehen 10 bis 40 Prozent aller Kieferhöhlenentzündungen auf eine zahnassoziierte Ursache zurück.6 In diesen Fällen ist dann der Zahnarzt der richtige Ansprechpartner.

Auch beim Schwimmen können Keime in die Nase eindringen und die Entstehung einer Sinusitis maxillaris begünstigen (Badesinusitis).

Diagnostik: Das erwartet Sie beim Facharzt

Bis auf die Überprüfung des Zahnstatus, die der Zahnarzt durchführt, um zu kontrollieren, ob die Sinusitis maxillaris von Zahnproblemen stammt, erfolgt die Diagnostik beim HNO-Arzt. Sie basiert auf mehreren Schritten, unter anderem:

  • Anamnese: Im Gespräch befragt Sie der Mediziner nach Ihren Beschwerden.
  • Palpation: Hier überprüft der Arzt durch gezieltes Abtasten des Gesichts, ob die Nervenaustrittspunkte des zweiten Nervenastes (Oberkieferast) des Nervus trigeminus schmerzhaft auf den ausgeübten Druck reagieren.8 Ein weiterer Hinweis, der für eine Kieferhöhlenentzündung sprechen könnte, ist der sogenannte Kopf-Beuge-Schmerz. Hierbei verstärkt sich der Schmerz, sobald der Patient seinen Kopf rasch nach vorne beugt.
  • Sonografie: Mithilfe der Ultraschalluntersuchung lässt sich eine Schwellung der Schleimhaut beziehungsweise angestautes Sekret nachweisen.
  • Nasenendoskopie: Um unterscheiden zu können, ob die Entzündung von der Nase oder den Zähnen ausgeht, führt der Arzt vorsichtig ein spezielles Untersuchungsinstrument in die Nase ein.

Besteht der Verdacht eines Pilzbefalls in der Kieferhöhle, kann der Arzt eine Computertomographie (CT) anordnen. Mit dem Einsatz dieses bildgebenden Verfahrens lassen sich Pilzablagerungen infolge einer Pilzsinusitis nachweisen.7 Möglicherweise veranlasst der Mediziner dann aber auch eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) der Nasennebenhöhlen und Nasenschleimhaut.7

Keine falsche Scheu!

Bitte lassen Sie die Ursache Ihrer Beschwerden frühzeitig von ärztlicher Seite abklären. Besteht eine Infektion der Nasennebenhöhlen über einen längeren Zeitraum, ist – in seltenen Fällen – das Risiko einer Ausweitung der Entzündung gegeben. Das heißt, sie ist dann nicht mehr auf die Nasennebenhöhlen beschränkt, sondern greift unter Umständen auf Nachbarstrukturen über. Das kann zu ernstzunehmenden Erkrankungen führen, beispielsweise einer Entzündung der Gehirnhäute (Meningitis) oder der Augenhöhle (Orbitaphlegmone). Hellhörig sollten Sie werden, wenn Sie Warnzeichen wie Gesichtsschwellungen, starke Schmerzen oder Fieber (ab 38,1 Grad Celsius5) feststellen.6

Behandlung der Sinusitis maxillaris

Zur Linderung der Symptome ist es in erster Linie wichtig, den Schleim zum Abfließen zu bringen und die Belüftung der Nasennebenhöhlen wiederherzustellen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Überblick:

Medikamentös

Hierbei helfen abschwellende Nasentropfen oder -sprays, die über einen Zeitraum von bis zu 10 Tagen eingenommen werden.8 Auch schleimlösende Mittel, sogenannte Sekretolytika, können zum Einsatz kommen. Sie sorgen dafür, dass sich das Sekret verflüssigt und leichter abfließt. Gegebenenfalls verordnet der HNO-Arzt auch ein Schmerzmittel. Im Falle einer eitrigen, bakteriellen Infektion ist unter Umständen auch die Gabe eines Antibiotikums erforderlich. Gegen Viren wirken Antibiotika allerdings nicht.

Woher weiß ich, dass das verordnete Antibiotikum bei einer eitrigen Infektion hilft?

Zur Erregerdiagnose kann beim Patienten ein Abstrich aus der Nase entnommen werden. Es dauert 3 Tage, bis die Ergebnisse vorliegen.8 Währenddessen bleibt der Betroffene jedoch nicht unbehandelt. Aufgrund klinischer Erfahrungswerte fängt man bereits mit einer sogenannten kalkulierten Antibiotikatherapie unter Berücksichtigung des zu erwartenden Keimspektrums an. Unter Umständen wird – wenn der konkrete Erreger nachgewiesen ist – die Entscheidung korrigiert und ein anderes Antibiotikum verordnet.

Hausmittel und weitere Maßnahmen

Zusätzlich dienen folgende Maßnahmen dazu, die Beschwerden zu lindern und die Dauer der Kieferhöhlenentzündung zu verkürzen:

  • Flüssigkeit: Trinken Sie mindestens 2 bis 3 Liter Tee oder Wasser pro Tag, um dem Körper genügend Flüssigkeit zur Verdünnung des Sekrets bereitzustellen.9
  • Wärme: Bestrahlen Sie Ihr Gesicht (vor allem die Wangen) zweimal täglich für zehn Minuten mit einer Infrarotlampe. Die Lampe steht hierbei etwa 40 Zentimeter vom Gesicht entfernt und die Augen sind geschlossen zu halten.10
  • Ruhe: Verzichten Sie während einer akuten Sinusitis maxillaris auf Sport und gönnen Sie Ihrem Körper viel Ruhe. Im Liegen sollte der Oberkörper leicht nach oben gelagert werden, um das Abfließen des Schleims zu erleichtern.
  • Inhalation: Wasserdampf wird mit Salz oder ätherischen Ölen (zum Beispiel Kamille, Salbei, Lavendel) versetzt und fünfmal pro Tag für etwa zehn Minuten eingeatmet. Die Schleimhäute können abschwellen und das Sekret verflüssigt sich.
Vorbeugen – geht das?

Punktion

Zieht sich die Entzündung bereits über einen längeren Zeitraum hin oder zeigen sich erste Anzeichen von Komplikationen, ist es möglich, die Nebenhöhle mit einer speziellen Nadel zu punktieren. Der Arzt öffnet die Kieferhöhle oberhalb der oberen Eckzähne und führt anschließend einen dünnen Silikonschlauch ein, über den das Sekret abfließen kann. Darauf erfolgt eine Spülung mit einer desinfizierenden Lösung oder Antibiotika.11 Die Behandlung führt ein Mund-Kiefer-Gesichtschirurg durch, sie geht in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung vonstatten.

Operationen

Wenn Sie beispielsweise unter einer chronisch-eitrigen, entzündeten Kieferhöhle – eventuell aufgrund einer anatomischen Veränderung im Bereich der Nase – leiden, steht womöglich die Notwendigkeit einer Operation im Raum. Ihr behandelnder Arzt wird Sie umfassend über die OP-Technik der Wahl, deren Vorteile und mögliche Risiken aufklären.

Im Gegensatz zur früher durchgeführten Kieferhöhlenradikaloperation nach Caldwell-Luc, bei der die komplette Schleimhaut der Kieferhöhle abgetragen wurde, achtet man heutzutage bei der chirurgischen Sanierung darauf, nur die erkrankte Schleimhaut zu entfernen. Der gesunde Anteil wird belassen. Der Eingriff ist minimal-invasiv, das heißt, der Operateur führt ein Endoskop (Instrument mit Lichtquelle und Kamera) in die Nase des Patienten ein.12

Das klingt alles schmerzhaft, bekomme ich etwas vom Eingriff mit?

Operationen an den Kieferhöhlen finden überwiegend unter örtlicher Betäubung statt; Mediziner empfehlen allerdings zusätzlich, den Patienten medikamentös in einen Dämmer- oder Tiefschlaf zu versetzen.11

Darüber hinaus gibt es die sogenannte Infundibulotomie. Darunter verstehen Mediziner die operative Eröffnung und Erweiterung der Eingänge zur Kieferhöhle über die Nase. Über das entstandene „Fenster” oder „Loch” im Knochen zwischen Nasenhaupthöhle und Kieferhöhle kann das angestaute Sekret abfließen. Auch Zysten oder Polypen (Schleimhautwucherungen) lassen sich so abtragen. Ziel des Eingriffs ist es natürlich auch, die Belüftung der Kieferhöhlen wieder sicherzustellen.

Der Kieferhöhlenentzündung vorbeugen

Menschen, die regelmäßig unter einer Sinusitis maxillaris leiden, sollten folgende Maßnahmen zur Vorbeugung treffen:

  • Die Nase bei Schnupfen sehr vorsichtig und mit wenig Druck putzen. Wer zu kräftigt schnäuzt, erzeugt einen Unterdruck und befördert den Schleim nicht nur ins Taschentuch, sondern auch in die Nebenhöhlen. Besser ist es, immer ein Nasenloch zuzuhalten und das andere durch vorsichtiges Schnäuzen zu reinigen.
  • Bei sehr kalten Temperaturen eine Mütze und einen Gesichtsschutz tragen — so bleiben Kopf und Wangen warm.
  • Allergien frühzeitig mit antiallergischen Mitteln bekämpfen, um die Ausbildung eines chronischen Schnupfens zu verhindern.

Generell ist es natürlich immer sinnvoll, das körpereigene Abwehrsystem zu stärken — etwa durch viel Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung.

Jana Welsner
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Julia Lindert
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