Wann sind Desinfektionsmittel sinnvoll?


Während der Gebrauch von Desinfektionsmitteln in medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern schon lange üblich ist, wird dies im privaten Bereich nur in bestimmten Fällen empfohlen. Das liegt daran, dass viele Keime in unserer Umgebung nicht nur harmlos, sondern sogar nützlich sind. Nur durch den Kontakt mit Krankheitserregern kann der Körper seine Abwehrkräfte ausbilden.

Sinnvoll sind Desinfektionsmittel jedoch zum Beispiel, wenn jemand im selben Haushalt eine Erkältung oder Grippe hat. Zudem raten Experten während der aktuellen Corona-Pandemie zu ihrer Anwendung. Denn die Viren werden – wie viele andere Krankheitserreger – unter anderem über die Hände weitergegeben. Durch direktes Händeschütteln oder das Berühren von Gegenständen wie Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen sie schnell von einer Person zur nächsten. Auf Oberflächen können einige Viren (zum Beispiel Coronaviren) sogar mehrere Tage überleben.1 Gerade unterwegs – etwa, wenn das Waschen der Hände gerade nicht möglich ist – sind qualitativ hochwertige Desinfektionsmittel hilfreich. Aber auch

  • nach Begegnungen mit infizierten Personen,
  • vor dem Essen oder
  • wenn man selbst ansteckend ist und Kontakt zu Mitmenschen hat,

wird eine Handdesinfektion empfohlen.

Wichtig

Neben Desinfektionsmittel für die Handhygiene gibt es auch Produkte zur Flächen- oder Wäschedesinfektion. Diese sind in der Regel jedoch nicht zum Auftragen auf die Haut geeignet!

Viren, Bakterien oder Pilze? Unterschiedliche Wirkspektren im Überblick!


Das wichtigste Kriterium beim Kauf von Desinfektionsmitteln ist das Wirkspektrum. Denn: Nicht jedes Produkt hilft gegen jeden Krankheitserreger gleich gut. Einige bekämpfen beispielsweise ausschließlich Bakterien, Viren können sie hingegen nichts anhaben. Zudem wird bei Viren zwischen behüllten und unbehüllten "nackten" Arten unterschieden. Vertreter mit Hülle lassen sich einfacher zerstören und sind weniger widerstandsfähig. Das Wirkspektrum ist auf jedem Desinfektionsmittel angegeben. Dabei können Ihnen folgende Auszeichnungen begegnen:

  • viruzid: effektiv gegen alle Viren (behüllt und unbehüllt)
  • begrenzt viruzid: schädigt nur behüllte Viren (dazu zählen Coronaviren – einschließlich SARS-CoV-2 – oder Influenzaviren)2
  • begrenzt viruzid PLUS: wirksam bei behüllten Viren sowie Adeno-, Noro- und Rotaviren
  • bakterizid: tötet Bakterien wie Salmonellen und Chlamydien ab
  • tuberkulozid: spezielle Wirksamkeit gegen Tuberkulose-Bakterien
  • fungizid: bekämpft Pilze (beispielsweise Haut-, Fuß- und Hefepilze)
  • sporizid: macht Sporen von Bakterien keimunfähig (Sporen sind sehr widerstandsfähige Dauerformen von Bakterien, die sehr lange überleben und infektiös sein können)
  • levurozid: gegen Hefepilze auf der Haut oder im Intimbereich einsetzbar

Einwirkzeit beachten!

Desinfektionsmittel töten Krankheitserreger unterschiedlich schnell ab. Daher ist es wichtig, die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit zu beachten. In der Regel werden etwa 30 Sekunden empfohlen.3

Inhaltsstoffe: Das steckt in Desinfektionsmitteln


Frau im Labor mischt aus verschiedenen Inhaltsstoffen ein Desinfektionsmittel zusammen.

Desinfektionsmittel zur hygienischen Handdesinfektion unterscheiden sich bezüglich ihrer Zusammensetzung. In Fertiglösungen können enthalten sein:

  • Alkohol (meist Ethanol, Propanol oder Isopropanol), da er bei ausreichend hoher Konzentration wirksam gegen Viren und Bakterien ist
  • Antiseptika wie Chlorhexidin (zur Verhinderung von Wundinfektionen)
  • Sporizide (beispielsweise Wasserstoffperoxid), um Sporen abzutöten
  • destilliertes (steriles) Wasser
  • Feuchthaltemittel (Glycerol), die die Haut geschmeidig halten und vor dem Austrocknen schützen
  • eventuell Farb- und Duftstoffe für eine angenehmere Anwendung

Je nach Rezeptur können Händedesinfektionsmittel als Arzneimittel oder Biozid eingestuft werden. Per Definition sind Biozide Mittel, die dazu dienen, Schadorganismen zu töten oder abzuwehren – wie etwa auch Haushaltsreiniger oder Insektensprays.4 Dass eine klare Zuordnung für Desinfektionsmittel fehlt, ist nicht ganz umstritten. In der Regel handelt es sich aber um ein Arzneimittel, wenn mindestens ein verschreibungspflichtiger Stoff enthalten und das Präparat für einen rein medizinischen Zweck bestimmt ist. Andernfalls ist das Produkt ein Biozid, an das weniger strikte Anforderungen gestellt sind.

Gut zu wissen

Neben Fertiglösungen können Apotheken auch selbst Desinfektionsmittel herstellen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat hierfür verschiedene Rezepturempfehlungen herausgegeben, bestehend aus Ethanol beziehungsweise 2-Propanol, Wasser. Wasserstoffperoxid und Glycerol.5

Verträglichkeit von Handdesinfektionsmitteln


Die meisten Handdesinfektionsmittel sind wegen ihrer starken und raschen antimikrobiellen Wirkung auf alkoholischer Basis. Alkohol gilt als sehr verträglich – vorausgesetzt die Haut ist intakt. Jedoch können die Hände durch häufiges Waschen schnell austrocknen. Die Folge: Es bilden sich kleine Risse, die bei der Verwendung eines Handdesinfektionsmittels brennen. Zudem können Anwender eine Kontaktdermatitis (entzündliche Hauterkrankung) entwickeln.

Gerade wer häufig Desinfektionsmittel verwendet, sollte beim Kauf darauf achten, dass dieses nicht nur verlässlich und wirksam ist, sondern auch hautfreundlich. Einige Produkte beinhalten deshalb pflegende (rückfettende) Eigenschaften, die die trockene Haut zu einem gewissen Grad ausgleichen können.

Tipp:

Menschen, die eine empfindliche Haut haben oder zu Allergien neigen, sollten auf Desinfektionsmittel ohne Parfüm oder Duftstoffe zurückgreifen. Denn diese können die Haut reizen. Im Zweifel fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

Einschränkungen bei Desinfektionsmitteln in der Schwangerschaft?

Bisher gibt es keine Studien, die darauf schließen lassen, dass die Anwendung von Desinfektionsmitteln in der Schwangerschaft gefährlich für das Kind im Bauch sein könnte. Die absorbierten oder eingeatmeten Mengen an Alkohol sind vermutlich unbedenklich. Dennoch sollten Schwangere und Stillende – wenn möglich – gründliches Händewaschen im Alltag vorziehen. Zudem wird dazu geraten, auf die jeweiligen Angaben der Hersteller zu achten.

Welche Desinfektionsmittel sind für Kinder geeignet?

Desinfektionsmittel werden in der Regel für Erwachsene zugelassen. Das bedeutet nicht, dass Kinder grundsätzlich keine Hände desinfizieren dürfen. Um die empfindliche Haut zu schützen, wird jedoch generell zu farb- und parfümfreien Mitteln geraten.

Bei Kleinkindern sollte die Hygienemaßnahme zudem immer von Erwachsenen überwacht werden. So können sie beispielsweise verhindern, dass ihre Schützlinge die Hände unmittelbar nach dem Auftragen ablecken oder sich in die Augen langen. Das gilt es aufgrund des Alkoholgehalts unbedingt zu vermeiden.

Tipp:

Nehmen Sie die Hände des Kindes zwischen Ihre eigenen und warten Sie so die Einwirkzeit zusammen ab. Dies ist wichtig, weil das Mittel erst dann seine volle Wirkung entfaltet. Spezielle Desinfektionsmittel für Kinder unterstützen hierbei auf spielerische Art: Mithilfe einer kinderfreundlichen Zählhilfe wird den Kleinen vermittelt, wie lange sie ihre Hände einreiben sollen.

Wie lange sind Desinfektionsmittel haltbar?


Egal ob Biozid oder Arzneimittel – in beiden Fällen ist der Hersteller verpflichtet, ein Verfallsdatum auf der Verpackung anzugeben. Der Grund: Beispielsweise können sich die Inhaltsstoffe (vor allem Alkohol) durch Temperaturschwankungen oder Lichteinwirkungen während der Lagerung verflüchtigen, wodurch die desinfizierende Wirkung abnimmt. Unabhängig von der Haltbarkeit sollten Desinfektionsmittel aus Supermärkten oder Drogerien meist innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach dem Öffnen verbraucht werden, Desinfektionstücher sogar innerhalb von 4 bis 12 Wochen.6

Verschiedene Darreichungsformen von Desinfektionsmitteln


In Krankenhäusern, Supermärkten oder öffentlichen Einrichtungen sind am Eingang oft Spender zur Händedesinfektion angebracht. Für den Privatgebrauch – insbesondere für unterwegs – eignen sich jedoch hingegen meist kleinere Behälter. Wer größere Kanister nicht umfüllen möchte, kann daher beispielsweise auf Fläschchen in Handformat zurückgreifen. Im Vergleich zu flüssigen Desinfektionsmitteln bevorzugen viele Menschen unterwegs zudem Gele oder Tücher.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an praktischen Helfern für den Alltag:

Handdesinfektionsgel

Gele zeichnen sich durch eine zähere Konsistenz aus und lassen sich daher gut in die Handflächen verteilen, ohne dass viel Produkt heruntertropft. Aus diesem Grund werden sie von vielen Menschen gerade außer Haus, beispielsweise beim Einkaufen oder Spazierengehen, verwendet. Die Auswahl an Gelen in Drogerien ist groß, jedoch sollten Sie auch hierbei auf das Wirkspektrum achten. Wer den strengen Geruch klassischer Desinfektionsmittel nicht gerne mag, hat zudem die Auswahl von verschiedenen Duftrichtungen.

Vorteile:

  • eignen sich für unterwegs
  • verschiedene Duftrichtungen

Nachteile:

  • können Mikroplastik enthalten

Sprays

Einmal Sprühen und dann die Hände 30 bis 60 Sekunden reiben – Desinfektionssprays eignen sich gut für die Handtasche. Aber auch hier sollte das Wirkspektrum beachtet werden.

Vorteile:

  • lassen sich gut verteilen
  • einfache Anwendung
  • hält lange genug feucht, um eine ausreichende Wirkung zu erreichen

Nachteile:

  • Sprühnebel ist unter Umständen für die Atemorgane gefährlich (vor allem für Kinder und geschwächte Personen)
  • empfindliche Oberflächen können durch Tropfen beschädigt werden

Desinfektionstücher für die Hände

Des Weiteren stehen desinfizierende Tücher zur Verfügung, mit denen Hände oder Flächen gründlich eingerieben werden.

Vorteile:

  • praktische Anwendung

Nachteile:

  • es wird zusätzlicher Abfall produziert (bestehen meist aus Kunststoff)
  • Tücher können schnell austrocknen, der enthaltene Alkohol verflüchtigt sich

Liste: Geprüfte und anerkannte Desinfektionsmittel


Für Anwender ist es nicht immer einfach zu erkennen, welche Desinfektionsmittel tatsächlich wirksam sind. Daher existieren verschiedene Listen, in denen sicher geprüfte Desinfektionsmittel eingesehen werden können. Auskunft geben beispielsweise:

Alle auf den Listen aufgeführten Händedesinfektionsmittel sind zuvor mittels standardisierter Tests überprüft und in ihrer Wirksamkeit durch unabhängige Gutachten belegt. Somit kann für die Anwender eine gesicherte Wirksamkeit garantiert werden.

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Miriam Müller Aufgewachsen in einer Familie aus Krankenschwestern und Journalisten, interessierte sich Miriam Müller bereits sehr früh für die Themen Medizin und Medien. Nach verschiedenen Praktika im journalistischen Bereich – unter anderem bei der Deutschen Welle in Washington D.C. – absolvierte sie erfolgreich ihr Masterstudium Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seit 2017 arbeitet sie als Medizinredakteurin bei kanyo®, wo sie ihre beiden Leidenschaften optimal miteinander verknüpfen kann. Miriam Müller Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
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