Seitenstrangangina: Symptome, Dauer und Behandlung

3. April 2019
13 Min.

Die Seitenstrangangina ist eine akute Rachenentzündung, bei der vor allem die Lymphbahnen, die von der hinteren Rachenwand nach unten verlaufen (Seitenstränge), betroffen sind. Sie entwickelt sich häufig aus einer Erkältung heraus und wird vor allem durch die Ansiedelung von Bakterien verursacht. Da die Übertragung per Tröpfcheninfektion erfolgt, ist sie für andere Menschen ansteckend. Hier finden Sie Informationen zu Symptomen, Dauer und Behandlung.

Lymphatisches Gewebe der Seitenstränge.


Übersicht:


Was ist eine Seitenstrangangina?

Eine Seitenstrangangina (Pharyngitis lateralis oder Angina lateralis) ist eine spezielle Form der Rachenentzündung, die sich durch starke Halsschmerzen äußert. Dem Krankheitsbild geht in der Regel ein viraler Infekt (beispielsweise eine Erkältung) voraus. Dieser sorgt dafür, dass die Rachenschleimhaut bereits durch Viren gereizt ist und sich dort im späteren Verlauf der Erkrankung Bakterien – vor allem Staphylokokken, Streptokokken und Pneumokokken – gut ansiedeln und vermehren können.

Bei der Seitenstrangangina sind die Lymphbahnen, die auch Seitenstränge genannt werden, betroffen. Sie verlaufen seitlich im hinteren Rachen und bestehen aus einem Gewebe, dass mit zahlreichen Abwehrzellen durchsetzt ist. Bei einem Befall mit Viren oder Bakterien erscheinen sie aufgrund einer Entzündungsreaktion stark gerötet und geschwollen.

Gut zu wissen:

Einige Studien weisen darauf hin, dass Kinder, deren Gaumenmandeln entfernt wurden, später ein höheres Risiko für Erkrankungen der oberen Atemwege (wie etwa eine Seitenstrangangina) haben. Dies liegt daran, dass die Mandeln im Hals- und Rachenraum für die Abwehr von Erregern zuständig sind – wurden sie entfernt, fehlt diese Funktion. Viren und Bakterien haben dann leichteres Spiel.

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Symptome einer Seitenstrangangina

Kommt es während einer normalen Erkältung zusätzlich zu Beschwerden wie

handelt es sich womöglich bereits um eine Seitenstrangangina. Die Ohrenschmerzen treten aufgrund der Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachen (Eustachische Röhre) auf. Durch diese kann sich die Entzündung ausbreiten.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung sind zudem Fieber, allgemeine Abgeschlagenheit und Reizhusten möglich. Die Erkrankten fühlen sich schwach und sind nicht in der Lage, ihrem geregelten Tagesablauf nachzugehen. Der Rachen ist in der Regel stark gerötet, seitlich geschwollen und eventuell mit streifenförmigen, gelblich-weißen Eiter-Stippchen belegt.

Häufig gestellte Fragen zur Ansteckung bei einer Seitenstrangangina

  • Ist eine Seitenstrangangina infektiös?

    Ja, egal ob Bakterien, Viren oder beide die Übeltäter sind, eine Seitenstrangangina ist sehr ansteckend. Die Krankheitserreger gelangen per Tröpfcheninfektion – also durch mikroskopisch kleine Speichelpartikel – beim Sprechen, Niesen oder Husten in die Umgebungsluft, wo sie von Gesunden eingeatmet werden können.

  • Ab wann ist eine Angina lateralis ansteckend?

    Sobald die ersten deutlichen Anzeichen einer Seitenstrangangina auftreten, ist sie auch auf andere Menschen übertragbar.

  • Wie lange sollten Sie bei einer Seitenstrangangina Abstand zu anderen halten?

    Bei einer Behandlung mit Antibiotika lässt die Ansteckungsgefahr schon nach wenigen Tagen wieder nach. Ohne Medikamente hingegen bleibt die Seitenstrangangina während ihrer gesamten Dauer übertragbar.
  • Sind Patienten nach Überstehen der Krankheit immun?

    Leider nein. Es gibt so viele verschiedene Bakterien und Viren, die als Ursache einer Seitenstrangangina infrage kommen, dass der Körper nicht gegen alle potenziellen Erreger eine Immunität entwickeln kann.

Krankheitsverlauf und Prognose

Der Zeitraum vom Auftreten der ersten Anzeichen bis hin zum vollständig ausgeprägten Krankheitsbild der Seitenstrangangina ist sehr variabel. Wie lange die Symptome andauern und wie lange der Arzt Sie krankschreibt, lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Allgemein gilt jedoch: Je kräftiger das Immunsystem und je besser der Allgemeinzustand des Betroffenen, desto schneller ist die Seitenstrangangina überstanden.

In der Regel heilt die Erkrankung innerhalb einiger Tage von allein aus. Mit der richtigen Behandlung lassen die Beschwerden oft noch schneller nach. Komplikationen sind eher selten, mögliche Folgen einer Angina sind jedoch:

  • Mittelohrentzündung
  • abgekapselte Eiteransammlung (Abszess) im Bereich des Rachens
  • Herzmuskelentzündung
  • Nierenentzündung
  • rheumatisches Fieber (Autoimmunreaktion nach bakterieller Infektion)

Tipp: Auch wenn Sie sich bereits besser fühlen, sollten Sie noch einige Tage warten, bis Sie nach einer Seitenstrangangina wieder mit sportlichen Aktivitäten beginnen. Eine verfrühte körperliche Belastung könnte zu Rückschlägen führen.

Chronische Seitenstrangangina

Neben einer akuten ist zudem eine chronische Seitenstrangangina möglich. Diese tritt selten allein auf, sondern geht meist mit weiteren chronischen Entzündungen im Bereich des Rachens einher. Laut Definition muss die Entzündung länger als drei Monate anhalten, um als chronisch zu gelten.2

Anders als bei der akuten Form ist diese jedoch selten auf eine bakterielle oder virale Infektion zurückzuführen, sondern Folge einer langandauernden Reizung der Rachenschleimhaut, beispielsweise durch:

  • übermäßigen Alkohol- und Tabakkonsum
  • chemische Luftbelastung (zum Beispiel am Arbeitsplatz)
  • trockene Raumluft in beheizten Räumen
  • übermäßigen Stimmgebrauch
  • eine Strahlentherapie im Bereich des Halses (zum Beispiel zur Behandlung eines Tumors)

Patienten mit einer chronischen Seitenstrangangina leiden häufig an sehr trockenem Husten und verspüren den ständigen Drang sich zu räuspern.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Zunächst wird der HNO-Arzt den Patienten ausführlich zu seinen Beschwerden befragen (Anamnese). Danach kann er sich durch die Untersuchung des Rachenraumes mit einer Lampe und Lupe ein genaueres Bild der Erkrankung machen. Bei einer Seitenstrangangina erscheinen die Lymphbahnen rot und geschwollen. Auf ihrer Oberfläche sind kleine Eiter-Stippchen zu erkennen.

Zudem macht der Mediziner einen Rachenabstrich. Dafür muss der Patient den Mund weit öffnen und seine Zunge herausstrecken. Meist drückt der Arzt die Zunge mit einem Mundspatel leicht herunter. Dadurch gelangt er mit dem Tupfer besser an die Infektionsstelle und kann einen Abstrich machen. Das gewonnene Material wird nun in das Labor geschickt, wo es auf Krankheitskeime untersucht wird. Dies ist wichtig, um im Falle einer bakteriellen Infektion den passenden antibiotischen Wirkstoff zu verabreichen.

Wie wird eine Seitenstrangangina therapiert?

Wie die Seitenstrangangina behandelt wird, richtet sich nach der Ausprägung der Erkrankung. Zur Linderung der Beschwerden sind oftmals Hausmittel hilfreich. Bei einer schweren Infektion mit starken Schmerzen sollte jedoch unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Eventuell sind dann Antibiotika notwendig.

Zu den Therapiemöglichkeiten:

Medikamente gegen die Seitenstrangangina

Früher wurden bei einer Seitenstrangangina häufig gleich Antibiotika verbreicht, heute warten Ärzte in der Regel den Befund des Rachenabstrichs ab. Denn die Medikamente wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bei einer bakteriellen Infektion können sie die Krankheitsdauer etwas verkürzen.

Wichtig: Halten Sie sich bei der Behandlung mit Antibiotika strikt an die Anweisungen des Arztes. Das bedeutet, dass Sie unter Umständen auch dann noch Tabletten einnehmen müssen, wenn die Beschwerden bereits nachgelassen haben. Durch eine zu kurze Therapie besteht die Gefahr, dass es zu Komplikationen und einer Resistenzbildung kommt. Das heißt, Krankheitserreger entwickeln die Fähigkeit, sich an das Antibiotikum anzupassen und nicht mehr darauf zu reagieren.

Zur Linderung der Halsschmerzen können zudem schmerzstillende Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol zum Einsatz kommen – egal ob Viren oder Bakterien die Ursache sind. Um die Behandlung einer Seitenstrangangina effektiv durchzuführen, sollte auf Nikotin und Alkohol verzichtet werden, da diese Substanzen die Schleimhaut zusätzlich reizen und Einfluss auf die Wirkung der Medikamente nehmen.

Seitenstrangangina mit Hausmitteln behandeln

Wer an einer Seitenstrangangina erkrankt ist, hat in der Regel mit Fieber, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und einem Hustenreiz zu kämpfen. Betroffene fühlen sich häufig matt und abgeschlagen. Neben Medikamenten unterstützen auch Hausmittel bei der Linderung der Beschwerden. Bewährt haben sich beispielsweise:

  • Bettruhe: Gönnen Sie Ihrem Körper Erholung und viel Schlaf, damit er ausreichend Energie hat, um wirksam gegen die Erreger zu kämpfen.
  • Viel trinken: Sorgen Sie für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, denn bei Fieber verliert der Körper Wasser und Elektrolyte (Mineralstoffe). Um den Organismus dadurch nicht zusätzlich zu schwächen, ist es ratsam, über den Tag verteilt mindestens 1,5 Liter (und bei Fieber für jedes Grad über 37 Grad zusätzlich einen halben Liter) Wasser oder Tee zu trinken.3 Besonders Salbeitee wird eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.
  • Stimme schonen: Strapazieren Sie Ihre Stimme sowie Ihren Hals- und Rachenbereich nicht zusätzlich. Schweigen ist hier wirklich Gold wert!
  • Wadenwickel: Bei hohem Fieber können kühlende Wadenwickel helfen. Die Temperatur der Wickel sollten ungefähr ein bis fünf Grad unter der Körpertemperatur des Erkrankten liegen.4
  • Halswickel: Sie wirken bei Schluckeschwerden und Halsschmerzen, wobei sie warm oder kalt angelegt werden können. Beides ist durchblutungsfördernd und schmerzlindernd.
  • Gurgeln: Das Gurgeln mit Salzwasser oder Salbeitee kann den Rachen desinfizieren.

Bessern sich die Beschwerden nach einigen Tagen nicht deutlich oder verschlimmern sie sich sogar, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf.

Behandlung einer Seitenstrangangina in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sollten einige Punkte bei der Behandlung berücksichtigt werden. Denn Wirkstoffe, die über Antibiotika oder andere Arzneimittel in der Schwangerschaft eingenommen werden, gelangen über die Nabelschnur in den kindlichen Blutkreislauf und können dem Baby schaden. Daher sollten werdende Mütter die Einnahme von Medikamenten bei einer Seitenstrangangina vorher immer mit dem Frauenarzt absprechen. Aber auch einige Hausmittel (wie ein heißes Entspannungsbad oder Anis- und Fencheltees) sind unter Umständen nicht immer für schwangere Frauen geeignet, da sie wehenfördernd wirken können. Hausmittel wie Kamillentee oder Halswickel sind jedoch unbedenklich und eignen sich zur sanften Linderung von Halsschmerzen.

Jana Welsner
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Medizinredakteurin und Lebensmitteltechnologin
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