Was hilft gegen Halsschmerzen?

3. März 2020
13 Min.

Das Einnehmen von Mahlzeiten ausgenommen, schlucken wir etwa einmal pro Minute, wenn wir wach sind.1 Bei Halsweh – egal ob im Rahmen einer Erkältung oder Mandelentzündung – kratzt es somit ziemlich oft im Hals. Wohl jedes Hausmittel ist willkommen, das unseren Körper dabei unterstützt, schnell wieder gesund zu werden. Inhalationen mit Heilpflanzen, Lutschpastillen, Gurgel-Lösungen – womit möchten Sie Ihre Hausapotheke aufstocken?

Frau inhaliert als Hausmittel gegen Halsschmerzen


Überblick:


Halsschmerzen – kann ich mir selber helfen?

Kündigen sich Halsschmerzen an, sind die Beschwerden in der Regel nach 2 bis 3 Tagen am stärksten, nach 1 Woche sind sie dann abgeklungen.2 Treten die Beschwerden im Rahmen einer Erkältung auf, ist ein Arztbesuch somit nicht unbedingt notwendig – außer, wenn stark ansteigendes Fieber hinzukommt oder die Halsschmerzen selbst nach ein paar Tagen immer noch da sind.3 Auch wenn Atemnot oder Schluckbeschwerden auftreten, sollte die genaue Ursache von ärztlicher Seite abgeklärt werden.

Stellen Sie keine zusätzlichen Symptome bei sich fest und möchten daher das lästige Kratzen zunächst in Eigenregie bekämpfen, bietet sich Ihnen ein breites Therapiespektrum, das von der Schmerztablette bis hin zum Pflanzenextrakt reicht. Außerdem haben sich viele Hausmittel über die Jahre sehr bewährt. Was am besten hilft, ist sehr individuell.

Mit Gurgeln Rachen und Hals feucht halten

Gurgeln ist ein wirksames Hausmittel bei Halsschmerzen, denn damit lassen sich die Schleimhäute sehr gut befeuchten. Das nimmt den Schmerz und unterstützt den Heilungsprozess. Zum Gurgeln eignen sich Kräutertees aus antientzündlichem Thymian oder Salbei. Aber auch mit Salz können sehr gute Resultate erzielt werden. Viele Menschen verspüren nach dem Gurgeln mit einer Salzlösung eine sofortige Schmerzlinderung.

Zwiebeln helfen dem Hals bei der Regeneration

Ein Allroundtalent um Halsschmerzen zu lindern – und häufig damit verbundene Schluckbeschwerden – sind Zwiebeln. Sie sind in unterschiedlichen Varianten ein geeignetes Hausmittel, um den lästigen Beschwerden Abhilfe zu schaffen. Sowohl der Verzehr gekochter als auch roher Zwiebeln versorgt den Körper mit wertvollem Vitamin C. Darüber hinaus sind Zwiebelwickel sehr effektiv. Dabei Zwiebeln in kleine Stücke schneiden und, damit die Zwiebelsäfte in die Haut dringen können, in feinen Musselinstoff gewickelt um den Hals wickeln.

Aha!

Allgemein gilt bei Halsschmerzen, wenig zu reden und die Stimme zu schonen. Wenn überhaupt, sollte man nur leise sprechen. Flüstern hingegen schont die Stimme – entgegen der landläufigen Meinung – nicht.

Viel trinken

Wenn sich Halsschmerzen und Heiserkeit bemerkbar machen, ist es wichtig, 2 Liter täglich zu trinken, um die gereizten oder trockenen Schleimhäute im Rachen mit Feuchtigkeit zu versorgen.4 Bewährt haben sich entzündungshemmender Kamille- und Fencheltee oder Zubereitungen aus Salbei-, Thymian-, Lindenblüten- und Spitzwegerichblättern. Ebenfalls wohltuend bei schmerzendem Hals: Die klassische Milch mit Honig. Und für die Hartgesottenen kann auch ein in Wasser verquirltes Eigelb helfen, die Schmerzen zu lindern.

Super einfach: Salbeitee selbst zubereiten

Die Zutatenliste ist denkbar überschaubar: Alles was Sie brauchen, sind 250 Milliliter Wasser und 3 bis 4 Salbeiblätter (erhältlich in der Apotheke). Die darin enthaltenen Öle wirken viren- und entzündungshemmend. Übergießen Sie die Blätter, die Sie zuvor in eine Tasse gelegt haben, mit kochendem Wasser. Den Tee anschließend zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Vor dem Trinken die Salbeiblätter entfernen. Wer mag, gurgelt zweimal täglich mit dem Tee.5

Inhalieren

Inhalationen mit Salzwasser sind ebenfalls ein gutes Hausmittel, um Halsschmerzen schnell loszuwerden. Sie wirken schleimlösend und helfen ebenfalls gut bei Schnupfen und verstopfter Nase. Alternativ inhalieren Halsschmerzengeplagte mit Salbei- oder Kamillenblättern.

Inhalationen mit Zusätzen wie Salbei sind vielen vermutlich ein Begriff, aber wie wäre es, drei Heilpflanzen zusammenzubringen, die sich alle durch entzündungshemmende Eigenschaften auszeichnen?

Und hier das Rezept für die zweimal tägliche Inhalation:

  • Mischen Sie zu gleichen Anteilen Thymian, Kamille und Oregano.
  • Übergießen Sie 2 Esslöffel des Gemischs, das Sie in einen großen Topf gegeben haben, mit 1 Liter heißem Wasser.
  • Dämpfe durch Mund und Nase einatmen; um die Wirkung zu verstärken ein Handtuch über den Kopf legen.
  • Die Anwendungsdauer beträgt 8 bis 10 Minuten.9

Bitte vergessen Sie nicht, dass Ihr Immunsystem während einer Infektion auf Hochtouren arbeitet, um die Krankheit einzudämmen. Damit der Körper seine Kräfte bündeln kann, braucht er Ruhe. Das gilt insbesondere nach einer Inhalation, gönnen Sie sich nach der Anwendung für wenigstens 10 Minuten eine kleine Pause.9

Halsschmerzen und Co. vermeiden

Kratziger Hals? Triefende Nase? Erkältungen sind lästig – und wollen am liebsten vermieden werden. Wie das gelingen kann und weitere Tipps für die Erkältungszeit, verrät der kanyo®-Gesundheitspodcast.

Für richtiges Raumklima sorgen

In den eigenen vier Wänden lässt sich das Raumklima meist gut steuern. Mit einem sogenannten Hygrometer können Sie die Luftfeuchtigkeit einfach und genau messen. Um Halsschmerzen durch trockene Luft zu vermeiden, achten Sie darauf, dass die relative Luftfeuchtigkeit bei 50 Prozent (plus minus 10 Prozent) liegt.6 Besonders im Winter, wenn die Heizung in allen Räumen läuft, fällt der Wert oft unter 40 Prozent. Befeuchten Sie die trockene Luft gezielt, indem Sie beispielsweise feuchte Handtücher oder Lappen über die Heizung hängen. Für viele Heizkörper können Sie auch Depots kaufen, die Sie mit Wasser füllen und an die Heizung hängen. Alternativ stellen Sie einfach eine mit Wasser gefüllte Schale auf die Heizung. Die Wirkung der aufgeführten Maßnahmen ist immer dieselbe: Durch die Heizungswärme verdunstet Flüssigkeit, woraufhin die Luftfeuchtigkeit im Raum steigt.

Tipp:

Wer sich täglich mehrere Stunden in klimatisierten Räumen aufhält, sollte besonders die Naseninnenwände mit einer entsprechenden Nasensalbe eincremen.

Halsschmerzen entgehen Sie mitunter schon durch richtiges Lüften. Während in alten Häusern aufgrund undichter Ritzen und Fugen ohnehin ein permanenter Luftaustausch stattfindet, sind Neubauten sehr gründlich isoliert. Das ist gut für den Energieverbrauch, bedeutet aber, dass man gezielter lüften muss. Es ist besser, mehrmals täglich lieber kurz und stark zu lüften (Stoßlüftung), als beispielsweise die Fenster dauerhaft gekippt zu lassen. Im Optimalfall öffnen Sie zudem Fenster, die gegenüberliegen („Durchzug“ beziehungsweise Querlüftung).

Die generelle Empfehlung zum richtigen Lüften lautet:

  • im Sommer: jeweils mindestens 10 Minuten7
  • im Winter: jeweils 3 bis 5 Minuten7

Um einen Energieverlust zu vermeiden, schalten Sie im Winter am besten die Heizung ab, wenn die Fenster weit geöffnet sind.

Akupressur

Ein weiteres Hausmittel bei Halsschmerzen ist die Akupressur. Bei diesem Behandlungsverfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) übt ein Spezialist mit den Fingern Druck auf bestimmte Körperstellen des Patienten, die Akupressurpunkte, aus. Die Therapieform beruht darauf, dass der Körper von Leitbahnen (Meridianen) durchzogen ist, durch die die Lebensenergie (Qi) fließt. Sind die Leitbahnen blockiert, können gesundheitliche Probleme die Folge sein. Ziel der Akupressur ist es also, den Energiestau zu lösen.

Mit etwas Übung können Sie die Druckmassage namens “Talsenke”, mit der Halsschmerzen gelindert werden sollen, selbst ausüben:

  • Betrachten Sie Ihre Handrücken.
  • Legen Sie den Daumen der einen Hand in die weiche Stelle beziehungsweise “Vertiefung” zwischen Daumen und Zeigefinger der anderen Hand.
  • Bearbeiten Sie nun kraftvoll diesen Punkt, indem Sie kreisende Bewegungen mit dem Daumen ausführen.
  • Nach circa 5 Minuten die Übung an der anderen Hand wiederholen.

Die Druckmassage zweimal täglich, am besten morgens und abends, durchführen.8

Fußbäder

“Eine Erkältung beginnt mit kalten Füßen” – so sagt es der Volksmund. Sobald sich das erste Kratzen im Hals bemerkbar macht, können Sie versuchen, den Beschwerden entgegenzusteuern, indem Sie ein sogenanntes ansteigendes Fußbad machen, das die körpereigene Abwehr anregt.

Und so geht´s:

  • Stellen Sie eine Fußwanne bereit. Falls Sie keine haben, können Sie das Fußbad auch in der Badewanne durchführen.
  • Zu Beginn sollte die Wassertemperatur 37 Grad Celsius betragen.9
  • Schritt für Schritt geben Sie nun heißes Wasser hinzu, achten Sie darauf, dass die Temperatur noch in Ihrem Wohlfühlbereich liegt.
  • Nach dem Fußbad die Füße abtrocknen, dicke Socken anziehen und 15 bis 30 Minuten für Entspannung, am besten wohlig eingepackt in eine Decke, einplanen.10

Was aber haben Füße nun mit einem wunden Hals zu tun? Die Blutgefäße der Atemwege und Füße sind über Nerven miteinander verbunden. Somit werden durch das warme Wasser nicht nur die Füße besser durchblutet, sondern auch die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum.9

Welche Mittel gegen Halsschmerzen gibt es?

Mann mit Halsschmerzen

Wenn Hausmittel nicht helfen, gibt es verschiedene Mittel aus der Apotheke. Da der Auslöser für eine entzündliche Halskrankheit meist eine Virusinfektion ist, können klassische Medikamente die Ursache jedoch nur bedingt bekämpfen. Die meisten Wirkstoffe zielen eher darauf ab, die Schmerzen zu mindern. Das Mittel der Wahl gegen Halsschmerzen sind meist Lokalanästhetika, die beispielsweise als Lutschpastillen oder Gurgellösungen (auch zum Sprühen) angeboten werden. Sie betäuben den Rachenraum leicht, sodass der Schmerz zumindest eine Zeit lang verschwindet. Auch über die Einnahme frei verkäuflicher, schmerzstillender Medikamente mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol kann nachgedacht werden.

Noch ein Tipp: Wer es mit Lokaltherapeutika wie Lutschtabletten versucht, sollte den Anwendungszeitpunkt bestenfalls so wählen, dass zwischen Einnahme und der nächsten Mahlzeit mindestens eine halbe Stunde liegt. Oder das Mittel kommt erst nach dem Essen zum Einsatz, schließlich sollen die Wirkstoffe möglichst lange mit der Schleimhaut in Kontakt kommen.11

Tipp: “Lutschbonbons” für lau

Sind die Halsschmerzen sehr stark, können Eiswürfel schnell Linderung verschaffen. Frieren Sie dazu am besten Pfefferminz- oder Salbeitee in den Eiswürfelform ab. Durch die Kälte wird der Rachenraum – zumindest kurzzeitig – betäubt und die Schmerzen so gemildert.

Halsschmerzen mit der Kraft der Natur bekämpfen

In der Apotheke erhält man außerdem ein großes Spektrum an pflanzlichen Mitteln gegen Halsschmerzen.

Zu den bewährtesten Heilpflanzen gehören:

  • Isländisch Moos
  • Primelwurzelextrakt
  • Kapuzinerkresse
  • Malve
  • Spitzwegerich
  • Sauerampfer
  • Gelber Enzian
  • Eisenkraut
  • Schwarzer Holunder

Einige davon werden als Lutschpastillen angeboten, andere als Tee oder Extrakt. Die Wirkung ist sehr unterschiedlich. Viele Heilpflanzen sind entzündungshemmend, schleimlösend und reizlindernd. Andere haben sogar eine antivirale Wirkung und sind den klassischen Medikamenten damit überlegen. Obwohl viele Mittel aus der Natur als sanft gelten, sollten Sie bei der Einnahme während der Schwangerschaft oder Behandlung von Babys oder Kindern zuvor einen Arzt um Rat fragen.

Aha!

Auch die Homöopathie setzt vorwiegend auf die Kraft der Pflanzen. Die Auswahl an Mitteln gegen Halsschmerzen ist bei dieser Naturheilmethode ebenfalls vielfältig. Ein Arzt oder Heilpraktiker, der die Homöopathie praktiziert, berät Sie gerne.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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